Kooperation in Softwareprojekten! Lohnt sich das? (Teil 3)

Im zweiten Teil dieses Beitrags wurde eine sehr erfolgreiche kooperative Strategie vorgestellt: Tit for tat oder auf Deutsch Wie du mir so ich dir.

Tit for tat zeigt uns, dass es sich durchaus lohnt, kooperativ zu sein, um seine eigenen Ziele zu erreichen. Zumindest sollte man am Anfang kooperativ sein und nicht gleich alle Kollegen vor den Kopf stoßen. Bei Leuten, die nicht kooperativ sind, einem also nicht nett begegnen, ist eine andere Strategie angesagt – Vergeltung. Am Ende zeigt sich Tit for tat aber wieder versöhnlich. Denn man sollte in der Lage sein, zu verzeihen und beim nächsten Zusammentreffen wieder nett zu einander sein.

Ich finde diese Strategie als Grundlage sehr gut. Auf jeden Fall sollte man in Softwareprojekten zunächst jedem Kollegen seine Chance geben. Und auf gar keinen Fall darf man kooperative Kollegen hintergehen. Durch die Beachtung dieser beiden Grundsätze bin ich in der Lage, ein kooperatives Arbeitsklima aktiv zu gestalten.
Axelrod, der Veranstalter des Computerturniers, spricht in diesem Zusammenhang von Reformern, d.h. Personen die Umgebung und damit die Spielregeln schaffen.

Eben diese Spielregeln sind von entscheidender Bedeutung. Wir mussten immer wieder feststellen, dass fehlende Spielregeln in Softwareprojekten zu fatalen Ergebnissen führen. Leider kann man solche Spielregeln nicht einfach festlegen, man muss sie vorleben. Also selber Vorbild sein.

Die wichtigste Regel lautet dabei: Bestrafe jeden Verrat in aller Konsequenz!

Dolchstoß

Diese Regel ist wie wir gesehen haben in Tit for tat fest verankert. Sie führt bei „nicht netten“ Kontakten evtl. zu einem Strategiewechsel. Beachte ich diese Regel nicht, werde ich immer wieder mit „nicht nettem“ Verhalten konfrontiert werden. Dies gilt für Einzelpersonen gleichermaßen wie für Gruppen.

Ich sage an dieser Stelle bewusst nicht, dass die Bestrafung von Verrat automatisch dazu führt, dass sich mein Gegenüber beim nächsten mal anders verhält. Das muss nämlich nicht so sein. Aber dazu später mehr. Sollte ich jedoch auf eine Bestrafung verzichten, zeige ich meinem Gegenüber, dass seine „nicht nette“ Strategie erfolgreich ist.

Nur meinem Gegenüber? Nein, andere Personen und Gruppen merken sehr schnell, wie es um mich bestellt ist. Sie fangen an zu lernen. Sie lernen, dass „nicht nette“ Strategien in diesem Projekt zum Erfolg führen. Haben erst genügend Projektteilnehmer diese Erfahrung gemacht, versagt übrigens auch Tit for tat, die Ausgangsstrategie.

Mit anderen Worten: Befinden sich erst genügend – und jetzt wechseln wir das Wort – „böse“ Spieler im Projekt, ist Hopfen und Malz verloren. Mittelfristig verlieren in dieser Situation alle. Die Schuld hierfür wird der jeweils anderen Partei zugeschrieben. Man merkt nämlich meistens gar nicht, dass man selber böse ist.

Bitte achtet daher immer auf die Spielregeln in euren Projekten. Dies gilt für alle Teilnehmer und Rollen, also Entwickler, Architekten, Projektleiter etc. Ich fasse diese Spielregeln noch einmal kurz zusammen:

– Verrate nicht als erster,
– Erwidere sowohl Kooperation als auch Verrat,
– Sei nicht neidisch,
– Sei nicht zu raffiniert.

Zur letzten Spielregel noch ein Wort. Wenn ich raffiniert bin, verschleiere ich meine Absichten. Dies im Guten wie im Bösen. Meine Raffinesse erschwert es damit anderen Personen, mich richtig einzuschätzen. Auf diese Art und Weise entstehen die berühmten Missverständnisse, die, wenn man sie nicht schnell aus der Welt schafft, ebenfalls zu schwerwiegenden Problemen im Miteinander führen können.

Vorsicht!

Unsere Ausgangsstrategie, Tit for tat, hat meiner Meinung nach jedoch einen schweren Fehler. Dieser liegt im Verzeihen.

Sicherlich ist es wichtig einen Fehler zu verzeihen, wenn die andere Seite einsieht, dass sie einen Fehler begangen hat und diesen auch bereut. Doch was geschieht, wenn dies häufiger passiert? Was mache ich, wenn die andere Seite Fehler nur eingesteht, weil sie meine Strategie kennt und damit genau weiß, dass der nächste Verrat wieder zum Erfolg führen wird?

Das Problem ist, dass es sehr viele Menschen gibt, die gelernt haben, dass sich Betrug und Intrige auszahlen. Egal ob raffiniert oder nicht, wer einmal gelernt hat, sich so zu verhalten wird schwerlich davon Abstand nehmen. Für solche Personen gilt die Regel zu verzeihen nicht. Ein derartiges Verhalten darf man nicht tolerieren. Am besten man isoliert diese Personen oder entfernt sie ganz aus dem Projekt. Dabei darf es keine Rolle spielen, wie qualifiziert ein solcher Jemand ist.

Fazit:

Kooperation ist für mich ich die einzige Strategie, die in Projekten zum Erfolg führt. Man erreicht sie jedoch nicht, in dem man selber nur kooperativ ist. Im Gegenteil, manchmal muss man selber böse sein, damit die Spielregeln gewahrt bleiben und Kooperation eine Chance hat.

 

Meine Links zum Thema bei del.icio.us:

Blogged with Flock

Tags:

Schreibe einen Kommentar